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In Manila ist eine Bar wie das Run Rabbit Run so selten wie Trüffel. Passenderweise servieren sie dort auch einen Cocktail mit dem wertvollen Edelpilz. Der Mr. Truffle kombiniert herzhafte Öligkeit mit tropischer Fruchtigkeit und versetzt Philipp Gaux in Hochstimmung.

Als U2 damals den Song „I still haven’t found what I’m looking for“ sangen, da hat die Band um Frontmann Bono wohl an das arme Trüffelschwein gedacht, das unermüdlich nach dem schwarzen Gold der Natur sucht.

Tatsächlich kommt das Trüffelschwein nämlich sinnbildlich der tragischen Figur des Sisyphos in der Tierwelt gleich. Warum? Nun, sucht das weibliche Schwein doch unfreiwillig nach dem Edelpilz, da es eigentlich nach einem Eber zur Fortpflanzung sucht. Dass sich dessen Pheromone dabei mit dem Duftstoff des Trüffels überschneiden, ist reiner Zufall und zudem pures Glück eines jeden Gourmets. Hat das Glücksschwein ihn dann gefunden, wird er ihm entrissen und für teures Geld verkauft. Also wieder von vorne. Sauerei!

Alles rein metaphorisch …

Dabei ist die Suche nach Trüffel im Grunde gleichzusetzen mit jener nach einer guten Bar. Nicht immer liegt diese schließlich an den offensichtlichsten Plätzen, häufig genauso versteckt wie jener Pilz. Hat man sie dann vermeintlich gefunden und ist sie nur ein innovatives Pop-Up, ist sie ganz schnell wieder weg.

In Manila habe ich ihn jetzt gefunden, diesen wertvollen Trüffel, in Form des „Run Rabbit Run“. Ironischerweise, wer hätte es gedacht, gibt es hier tatsächlich einen Cocktail zu genießen, der Trüffel als Ingredienz aufweist. Und so widmen wir uns der Bar an anderer Stelle und heute ganz eben diesem Drink mit dem Namen – was ein Zufall – Mr. Truffle.

Ein gutes Trüffel-Näschen haben

Wie das Schwein, so hatte auch das Barteam hinter Run Rabbit Run ein besonders gutes Gefühl dafür, wie der Trüffel am besten in den Cocktail zu bringen sei. Stellt sich als Infusion in Spirituosen oftmals raus, dass seine Intensität schwer kontrollierbar ist und sich als zu sehr abhängig von einzelnen Faktoren erweist (Zeit der Lagerung, Ort der Lagerung, Temperatur der Lagerung, Menge auf Literflasche), so wählte das Team um Julz Veloso einen anderen Weg und bringt den Trüffel in Form des Öls tröpfchenweise in den Drink. Das ermöglicht nicht nur ein „langsames Herantasten“ verbunden mit der Korrekturmöglichkeit, es ist auch deutlich unkomplizierter und kostengünstiger als zuerst genannte Möglichkeit.

Vor allem aber stellt das Trüffelöl einen gewissen Bruch in der Rezeptur dar und macht den Mr. Truffle erst so richtig spannend. Schaut man sich zunächst die Ingredienzien des Cocktails an und erblickt neben Ananassaft, Zitrone und dem erdig-aromatischem, eine deutliche Süße abgebendem Pandansirup auch noch Cachaça, klingt das in europäischen Ohren vielleicht nach Musik, ist aber eher Spoken Word und recht gewöhnlich im asiatischen Raum. Zwar gibt der Cachaça – anders als ein Rum – hier eine deutlich kernigere, ländliche Note und macht die Kombination aus benannten Zutaten spannend, doch ist es der Trüffel, der aus diesem Konzept völlig rausfällt.

Ein Cocktail, den jeder genießen sollte

Es balanciert den Drink, entreißt ihn aus einem stereotypisch-festgefahrenen, fruchtig-süßen Korsett und verleiht dem Cocktail im gleichen Atemzug einen anderen Geschmackssinn. Diese herzhafte Öligkeit harmoniert überraschenderweise hervorragend mit der tropischen Fruchtigkeit aller anderen Ingredienzien. So ist auch Pandan hier in seiner Komplexität als Brücke und Vermittler zwischen den beiden Welten die treibende Kraft.

So trinke ich den Mr. Truffle und denke mir: „Lass‘ dem Bauern sein Schwein.“ Denn diesen Cocktail sollte wirklich jeder gern genießen dürfen.

Der Beitrag Der Mr. Truffle schlägt die Brücke zwischen Tropen und Trüffel erschien zuerst auf Mixology.

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Mixology.eu by Redaktion - 1w ago

Happy Sunday! Heute schauen wir auf Zahlen aus Brooklyn, fehlende Volumenprozent bei Pernod Ricard und auf starke Statements von „Herrn Scholl“.  Außerdem freuen wir uns auf die Berlin Beer Week und fühlen mit den Betreibern des weltberühmten Dead Rabbit. Willkommen zur Inventur!

Hereinspaziert, hereinspaziert! Sind Sie auch so durstig? Dagegen gibt es bald ein probates Mittel: Nur noch knapp zwei Wochen, dann beginnt in unserer wunderbaren Hauptstadt die mittlerweile vierte Berlin Beer Week. Vom 20. bis 29. Juli geht es in zahllosen Events, Verkostungen und Workshops in und um Berlin um alle Facetten des Gerstensaftes. Ausgerichtet wird die Bierwoche nach wie vor unter anderem von unserem geschätzten Bierexperten und freiem Mitarbeiter Dirk Hoplitschek, das soll nicht verschwiegen werden. Wenn Sie jedenfalls zu der Zeit an der Spree weilen sollten, möchten wir Ihnen das Programm der Berlin Beer Week wärmstens (oder lieber gut gekühlt?) ans Herz legen. Bis es losgeht, vertreiben wir uns die Zeit wie jeden Sonntag mit einem Blick auf die Themen und Texte der hinter uns liegenden Woche.

Bar Convent Brooklyn – hier sind die Zahlen

Knapp einen Monat ist es her, dass mit dem Bar Convent Brooklyn in New York der erste offizielle Ableger des Bar Convent Berlin seine Jungfernfahrt hatte. Nun liegt der offizielle Abschlussbericht des Veranstalters Reed Expo vor.

Insgesamt zeigt man sich extrem zufrieden mit dem Ergebnis der ersten Auflage: Über 3.100 Fachbesucher tummelten sich am 12. und 13. Juni im Brooklyn Convention Center, die sich die Stände von 155 Ausstellern anschauen konnten und denen insgesamt rund eine Viertelmillion Samples und Cocktails serviert worden sind. Auf den Bühnen traten mehr als 50 Redner von überall auf der Welt in Erscheinung, so dass die Premiere ebenfalls deutlich demonstrierte, wie wichtig man den Bildungsschwerpunkt des großen Berliner Bruders nimmt. Das verwundert es nicht, dass der Bar Convent Brooklyn bereits fest im Kalender steht und sogar mit Greenpoint Terminal um zusätzliche Ausstellungsfläche erweitert wird.

Auch Pernod Ricard beginnt mit „alkoholfreiem Gin“

Der generelle Trend, weniger Alkohol zu trinken, bleibet seit Jahren stabil. Nur nachvollziehbar, dass die großen Spirituosenhersteller allmählich beginnen, sich dieser Entwicklung in Form neuer Produkte zu widmen. Die „alkoholfreie Spirituose“ Seedlip aus dem zu Diageo gehörenden Hause Distill Ventures ist da das bislang prominenteste Beispiel. Und auch der nahezu alkoholfreie, in Dosen gefüllte Gin & Tonic von Weltmarktführer Gordon’s (ebenfalls Diageo) zeigt an, wie sehr man sich in den Chefetagen inzwischen der Thematik widmet – was nicht ohne Spott der Barszene abläuft.

Nun gesellt sich auch die weltweite Nummer zwei der Spirituosenindustrie, der französische Konzern Pernod Ricard, zu jenen Firmen, die mittels alkoholfreier Destillate versuchen, an Käuferschichten zu gelangen, die vermehrt auf Alkohol verzichten, aber dafür nicht auf Fruchtsäfte oder Limo zurückgreifen wollen. Wie Imbibe Mitte der Woche kommunizierte, bringt der Konzern zunächst in Großbritannien drei Qualitäten der Marke Ceder’s auf den Markt, die sich ganz dezidiert an Gin-Trinker richtet. Mit den drei Sorten „Classic“, „Wild“ und „Crisp“ bietet man sofort eine Auswahl innerhalb der Marke. Zu haben sein werden die Halbliterflaschen des „Alt-Gin“ zu einem Lancierungspreis von 19,99 britischen Pfund – also in etwas so viel ein anständiger Gin. Mal abwarten, was als nächstes kommt.

„Herr Scholl“ ist noch immer da

Man bekommt zwar nicht mehr so viel von ihm mit, doch Gregor Scholl – für alle und jeden stets nur „Herr Scholl“ – betreibt mit dem Rum Trader in Schöneberg noch immer die älteste freie Bar Berlins – eine echte Institution. Dazu gesellte sich die drei Jahre währende Episode mit dem Le Croco Bleu im Prenzlauer Berg. Und auch, wenn es still geworden ist um einen der Grandseigneurs der hiesigen Barszene, hat Herr Scholl doch noch immer viel zu sagen.

Das tut er aktuell in einem umfangreichen Interview mit den Kollegen vom Tagesspiegel – und das noch immer gewohnt meinungsstark. Sei es die Frage nach dem Dress Code im ca. 25 Personen fassenden Rum Trader, danach, ob sich die vielen derzeit in Berlin eröffnenden Bars alle werden halten können, oder aber die provokante Aussage, wer als Bartender einen Führerschein habe, der hätte den Beruf missverstanden. Der studierte Komponist, der seinerzeit beim legendären Hans Schröder den Barberuf gelernt hat, weiß um die Kunst der eleganten Provokation.

The Dead Rabbit stirbt vorerst den Feuertod

Eine schockierende Meldung für alle Barflys kam am 1. Juli direkt aus New York City: Denn dort zerstörte ein Feuer die weltberühmte Bar Dead Rabbit Grocery and Grog fast vollständig, wie zahlreiche Publikumsmedien am vergangenen Sonntagabend europäischer Zeit mitteilten.

Ausgebrochen sei das Feuer mutmaßlich während der Schließzeit der Bar in deren Küche, die Feuerwehr im New Yorker Financial District konnte zwar die umstehenden Gebäude schützen, das Dead Rabbit selbst wurde jedoch so gut wie vollständig niedergebrannt. Die Betreiber, Jack McGarry und Sean Muldoon, sprechen bislang von einer Schließung auf unbestimmte Zeit. Man darf also davon ausgehen, das die Bar für sehr lange Zeit geschlossen bleiben wird – wenn sie denn überhaupt wieder eröffnet.

McGarry und Muldoon hatten das Dead Rabbit 2013 eröffnet und als Reminiszenz an ihre nordirische Heimat inszeniert. Innerhalb kürzester Zeit erarbeitete sich die Bar einen herausragenden Ruf unter Bartendern und Barexperten, ein Ruf, der mit der Auszeichnung als „World’s Best Bar“ 2016 seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Ob und wann das Dead Rabbit wieder öffnen wird, werden die beiden Inhaber, die in New York unter anderem auch noch das Black Tail betreiben, zu gegebener Zeit bekanntgeben. Wir wünschen viel Glück!

Der Beitrag Inventur am 8. Juli 2018 erschien zuerst auf Mixology.

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Das Wolfenbütteler Familienunternehmen steigt mit einer Beteiligung bei Gin Sul ein. Im Interview erklären dessen Gründer Stephan Garbe und Jägermeister-Vorstand Michael Volke die Hintergründe. 

Nach der mehrheitlichen Übernahme von Monkey 47 durch Pernod Ricard im Januar 2016 wird heute die zweite strategische Kooperation eines neuen deutschen Gins mit einem der großen Spirituosenhäuser bekannt: Die Jägermeister SE aus Wolfenbüttel übernimmt einen Anteil an Gin Sul und vollzieht damit erstmals in ihrer Firmengeschichte einen Einstieg bei einer fremden Marke. Im ausführlichen Interview verraten Stephan Garbe, Gründer von Gin Sul, und Jägermeister-Vorstand Michael Volke die Hintergründe und Einzelheiten des Deals.

Stephan, das ist wirklich eine Überraschung. Wie kam der Kontakt mit Jägermeister zustande?

Stephan Garbe: Das ist schnell erzählt: Irgendwann vor etwas über einem Jahr stand Michael Volke bei uns in der Destillerie und wollte, wie andere auch, eine Flasche guten Gin kaufen. Er hat sich, was ich stark fand, gleich vorgestellt und gefragt, ob er sich „als Mann vom Fach“ unsere Destillerie mal anschauen darf. Ich hab ihn dann rumgeführt, mit ihm einen Gin & Tonic probiert – und wie das so ist, wenn zwei Fachidioten ins Gespräch kommen: Er ist fast zu spät zu seiner Verabredung gekommen und ich hab’ meine Bestellungen, an denen ich gesessen hatte, nicht mehr geschafft. Danach hat er mir angeboten, ihn auch mal in Wolfenbüttel zu besuchen. Und ich habe dann auch recht schnell Florian Rehm, den Urenkel des Jägermeister-Erfinders Curt Mast, kennengelernt. Die Wellenlänge stimmte von Anfang an. Das lag vielleicht tatsächlich auch daran, dass wir uns – bildlich gesprochen – eben eher am Tresen als bei Parship kennengelernt haben.

Wie liefen die Gespräche dann ab?

Stephan Garbe: Von Anfang an vertrauensvoll zugewandt, immer interessiert am Anderen und ohne wirklichen Ergebnisdruck. Sonst säßen wir jetzt auch nicht hier, da spreche ich sicher auch für Michael Volke und Florian Rehm. Ich glaube, ganz wichtige Faktoren waren, dass der erste Kontakt eher zufällig war. Wir hatten dadurch bereits eine gemeinsame Basis jenseits der Raketentechnik von Mergers & Acquisitions, als wir dann tatsächlich begonnen haben darüber nachzudenken, ob wir mehr daraus machen wollen. Vielleicht kann man es so beschreiben: Ich hatte das Gefühl, die beiden schon ein wenig zu kennen, als wir tatsächlich angefangen haben zu verhandeln. So ein Anfangsvertrauen erleichtert auch schwierige Gesprächssituationen ungemein, das habe ich gelernt. Und natürlich hing ganz viel daran, dass wir jeweils so eine besondere Beziehung zu unserem Produkt haben. Dadurch ist es viel leichter, sich gegenseitig zu verstehen. Wir haben denn auch zu keinem Zeitpunkt der Gespräche einen „Dolmetscher“ gebraucht, wie es sonst vielleicht der Fall sein mag, wenn ein kleines und ein großes Unternehmen miteinander sprechen.

»Stephan Garbe gefällt uns als Mensch und Unternehmer mit Vision und Leidenschaft. Das ist für uns entscheidend bei jeder Partnerschaft.« — Michael Volke

Herr Volke, Jägermeister ist seit Jahrzehnten als „Monomarke“ erfolgreich. Was ist der Grund, dass Sie sich jetzt zum ersten Mal für ein Engagement bei einem anderen Spirituosenunternehmen entschieden haben?

Michael Volke: Der eine Grund ist Gin Sul. Der andere Grund ist Stephan Garbe. Wir sind ein sehr erfolgreiches Familienunternehmen mit einer starken internationalen Marke Jägermeister, die noch ein riesiges Potential hat. Daher verfolgen wir keinen klassischen M&A-Ansatz wie viele andere. Gin Sul hat uns als Marke begeistert. Sowohl das Produkt als auch die Emotionalisierung als Sehnsuchtsmarke sind außergewöhnlich stark und haben Leuchtturmpotential im High-End-Gin-Bereich für mich. Stephan Garbe gefällt uns als Mensch und Unternehmer mit Vision und Leidenschaft. Das ist für uns entscheidend bei jeder Partnerschaft, die wir als Unternehmen eingehen. Wir glauben an die  Menschen hinter einer starken Idee und an außergewöhnliche Markengeschichten. Das macht Jägermeister erfolgreich, und das sehen wir auch in Gin Sul.

Hätten Sie denn nicht einfach weitermachen können wie bisher?

Michael Volke: Weiter wie bisher ist ganz grundsätzlich gegen unsere Überzeugung. Jägermeister hat sich als Marke und als Unternehmen in seiner Geschichte immer wieder neu erfunden. Wichtig ist uns, den klar definierten Kern und die Wurzeln zu erhalten und auf dieser Basis permanent Veränderungen zu stimulieren, die uns weiterbringen und unsere Verbraucher begeistern. Das hat uns erfolgreich gemacht und in diesem Kontext sehen wir auch das Engagement bei Gin Sul. Wir wollen Stephan und sein Team dabei unterstützen, die Potentiale von Gin Sul strategisch zu nutzen und weltweit vernetzte Zielgruppen zu erreichen. In der heute digitalisierten und mobilisierten Welt wird es darauf ankommen, aus den sehr glaubwürdigen regionalen Wurzeln jetzt konsequent, aber ohne Druck, das nächste Level zu erreichen. Die Menschen, die Gin Sul anspricht und begeistert, sind national und international vernetzt. Das ist die Basis für eine Expansionsstrategie, die weniger einer typischen geographischen als vielmehr einer Community- und Szene-Logik folgt. Das macht den Sprung über Grenzen und Regionen einfacher, aber auch notwendig. Das wird ein spannender Weg für Gin Sul.

Und Du Stephan, warum machst Du das? Was sind Deine Beweggründe?

Stephan Garbe: Mir ist es ähnlich gegangen wie einem Tischler, der mal angefangen hat, Stühle zu bauen, weil er Spaß daran hat, selbst etwas zu entwerfen. Und dann ist ihm ein toller Stuhl gelungen, den es so noch nicht gab. Zunächst kann er sein Glück gar nicht begreifen, wenn ganz viele Leute so einen Stuhl haben möchten. Dann merkt er irgendwann, dass er immer weniger in der Werkstatt und mit dem Holz zugange ist, weil er so viele Stühle verkauft, dass immer mehr seiner Zeit für Buchhaltung und Managementfragen drauf gehen. Und er fragt sich dann, wie es weiter gehen soll. So ähnlich fühlte ich mich.

»Mir ging es irgendwann wie einem Tischler, der nur noch Stühle verkauft, aber keine mehr baut.« — Stephan Garbe

Aber keine Sorge, das wird jetzt kein Wehklagen. Ich bin mir durchaus des Privilegs bewusst, dass ich etwas machen darf, was aus purer Leidenschaft entstanden ist, und dass ich davon jedenfalls so viele Menschen begeistern konnte, dass sich überhaupt die Frage gestellt hat, wie es damit weitergehen soll. Und ich bin dankbar dafür, dass es in meinem Umfeld und in meiner Familie Menschen gibt, die mich so gut kennen, dass sie mich darin bestärkt haben, statt im Management vielleicht doch besser da aufgehoben zu sein, wo ich neue Dinge entwickeln kann und zusammen mit Anderen Freiräume für kreative Dinge habe. Jeder, der mich gut kennt, weiß, dass dieser Schritt genau der richtige für mich ist. Ich hatte es ja vor einem Jahr, als wir uns kennengelernt haben, nicht auf eine Partnerschaft angelegt. Aber jetzt, wo sich die Möglichkeit dazu in dieser großartigen Konstellation ergibt, da sehe ich doch eine ganze Menge Vorteile und freue mich sehr, auf das was kommt.

Ich bekomme jetzt genau die Unterstützung, die ich mir wünsche – von einem Partner, den ich mir besser nicht wünschen kann.

Leidet durch eine solche Partnerschaft nicht automatisch die „gefühlte Integrität“ einer Marke? Und wie geht das mit dem oft gebrauchten Schlagwort „Craft“ zusammen?

Stephan Garbe: Richtig gut! Jägermeister ist ein Familienunternehmen, das auf seine Tradition und auch seine regionalen Wurzeln stolz ist und diese pflegt; ein Unternehmen, dem seit vielen Jahrzehnten Niemand erklären muss, wie gutes Handwerk geht. Ist das nicht „Craft“? Und nebenbei: Ich finde, bei dieser Craft-Diskussion täte ein wenig verbale und ideologische Abrüstung ganz gut. Angefangen damit, dass ich mir von Niemandem einreden lasse, dass Handwerklichkeit und wirtschaftlicher Erfolg ein Widerspruch sein müssen. Es geht doch um das Produkt. Gin Sul ist mein Baby, angefangen mit jeder einzelnen Zutat, über das Design der Flaschen bis hin zum transparenten Produktionsprozess in unserer eigenen Destillerie, von vorn bis hinten alles Handwerk und viel Liebe. Daran wird sich nichts ändern.

Mir hat im Übrigen auch noch Keiner erklären können, was die Alternative sein soll, wenn denn ein Craft-Produkt erfolgreich ist: Soll ich dann die Produktion bei Flasche x um der reinen Lehre willen deckeln? Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass Stillstand funktioniert – egal, ob man Möbel tischlert oder Gin destilliert –, wie soll ich dann meine Kunden bei einer solchen künstlichen Verknappung auswählen? Nur treue Stammkunden oder auch mal Neue, damit jeder mal darf?! Wer bin ich denn, mir so etwas anzumaßen? Allein diese Überlegungen zeigen doch, welch absurde Formen diese ganze Diskussion teilweise angenommen hat. Es kommt auf das Herzblut an, und das steht bei allen Beteiligten im Vordergrund.

Wie siehst Du derzeit generell den Gin-Markt und die sogenannte Craft-Szene im Allgemeinen?

Stephan Garbe: Beim Gin kann ich es recht präzise beschreiben. Gin ist nicht nur in der Verbindung mit Tonic ein großartiges Produkt mit einer sehr langen Tradition und vielleicht eine der ältesten Barspirituosen von Bedeutung. Ich gehe jetzt nicht so weit zu sagen, dass es das britische Empire ohne Gin nicht gegeben hätte. Aber mal ehrlich: Hättest Du Dir Queen Mum mit Goji-Beerenlikör anstelle von Gin Tonic vorstellen können?

Worauf ich hinaus will: Gin ist kein und war auch nie ein am Reißbrett des Marketings geschaffenes Kunstprodukt, sondern ein seit Jahrhunderten in fast unveränderter Form bestehendes Kulturgut. Es ist ein nicht zu vernachlässigender Mitverdienst der Craft-Bewegung, dass dieses Kulturgut in den vergangenen Jahren den ihm zukommenden Platz bei den Genießern zurückerlangt hat. Vielleicht werden wir irgendwann eine leichte Marktkonsolidierung beobachten, was die Anzahl der Brands angeht, aber was den grundsätzlichen Stellenwert dieses Klassikers betrifft, ist mir überhaupt nicht bange.

Was die Craft-Bewegung betrifft – sie war eigentlich überfällig, sie hat viel geleistet und auch ich habe ihr Einiges zu verdanken. Craft steht für einige ganz hervorragende Produkte. Ob bei den Brauern, bei den Winzern oder eben auch bei uns Destillateuren: Die Bewegung hat den Boden bereitet und ein Bewusstsein geschaffen, in dem Begriffe wie sauberes handwerkliches Arbeiten, Identifikation mit dem eigenen Produkt, das Besinnen auf auch regionale Traditionen, die Hinwendung zu schonenden Produktionsprozessen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Zutaten wieder gebührenden Raum und Rahmen gewonnen haben.

»Der Mensch und die Marke haben uns überzeugt!« — Michael Volke

Wo siehst Du denn konkrete Gemeinsamkeiten mit dem Unternehmen Jägermeister?

Stephan Garbe: Lassen wir die Kirche im Dorf, ich werde mich hier nicht mit einem Weltmarktführer wie Jägermeister auf eine Stufe stellen. Aber es stimmt schon, abgesehen von der uns natürlich unterscheidenden schieren Größe gibt es tatsächlich mir persönlich sehr wichtige Gemeinsamkeiten. Ich liebe meinen Gin, ich bin sicher, das merkt man auch. Und bei Jägermeister ist es nicht anders: Wenn man mit den Leuten dort spricht – und ich habe inzwischen auch einige Kollegen aus der Produktion dort kennengelernt –, spürt man überall die tiefe Verbundenheit zum Produkt, und Keinem von denen ist egal, was er da eigentlich macht und womit er seine Brötchen verdient. Ich kann auch offen sagen, das hat mich positiv überrascht, ich hatte ein ganz anderes Bild von so einem Weltunternehmen. Ich vermute, es liegt daran, dass Jägermeister nach wie vor ein Familienunternehmen ist und dass man bei einem Traditionsprodukt, anders als bei ständig variierenden, marktforschungsgetriebenen Produktportfolia, auch viel eher die Art von echter Zuneigung und Identifikation mit dem eigenen Tun entwickeln kann, wie ich sie in Wolfenbüttel gesehen habe.

Und Sie, Herr Volke, warum haben Sie sich gerade für Gin Sul entschieden?

Michael Volke: Wie schon gesagt: Mensch und Marke haben uns begeistert. Aus unserer Sicht verbindet uns auch deutlich mehr als man zunächst denken mag. Wir sehen uns bei Gin Sul und bei dem, was Stephan Garbe in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat, oftmals erinnert an unseren Unternehmensgründer Curt Mast. Ich denke an den unternehmerischen Geist, die anpackende Art, die tiefe Hingabe zum Produkt und der Spirit, mit dem er seine Ideen vorantreibt. Aus diesem Mix sind in unserer Industrie die großen Erfolgsgeschichten entstanden, die Klassiker in den Bars der Welt. Wir haben das Glück, mit Jägermeister eine dieser Geschichten geschrieben zu haben – und es macht uns einfach Spaß,  Stephan Garbe und Gin Sul bei seiner Geschichte zu unterstützen.

Ich teile im Übrigen seine Einschätzung, was die Zukunft von Premium-Gin-Marken betrifft. Lassen Sie ein paar Spätberufene und Kopierexperten außen vor, aber die guten eingeführten Marken haben auch weiterhin erfolgreiche Zeiten vor sich, wenn sie sich treu bleiben. Der Markt hatte auf das Revival des Gin gewartet und die Konsumenten werden ihrer Wiederentdeckung die Treue halten, denn nur Weniges lässt sich gänzlich unabhängig von Ort und Jahreszeit so gut genießen wie ein Gin & Tonic. Abgesehen von Jägermeister natürlich.

Was erhofft sich Jägermeister konkret von dem Einstieg?

Gegenseitige Inspiration, neue, innovative Ideen und spannende Erkenntnisse über Consumer-Trends und neue Märkte. Und nicht zuletzt handelt es sich bei Stephan Garbe um einen außergewöhnlich kreativen Unternehmer, von dem wir sicher auch noch profitieren, wenn er mit uns als starkem Partner frei aufspielen kann.

Wie geht es mit Gin Sul weiter?

Stephan Garbe: Gin Sul ist Gin Sul und bleibt Gin Sul. Wir werden weiter in Altona in unserer herrlichen Destillerie unverändert unseren Gin herstellen und den Barleuten und unseren Kunden der Partner bleiben, der wir immer waren. Wir denken auch nicht an einen Vertrieb durch Jägermeister, aber natürlich ergeben sich neue Möglichkeiten, wenn man die Chance bekommt, mit den Besten zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Das betrifft zum Beispiel den Zugang zu neuen Märkten. Sicher hat Gin Sul auch portugiesische Wurzeln und damit auch zumindest ein kleines Seefahrer-Gen, und wir hier in Hamburg halten uns ja ohnehin gern für das Tor zur Welt. Aber ehrlich, ob ich mir allein ohne starken Partner irgendwann den Sprung in die globalen Metropolen zugetraut hätte – ich weiß es nicht. Und mal abgesehen von Märkten, Kunden und weißen Flecken auf der Landkarte – ich bin auch neugierig, mehr über die Entwicklung einer solchen großen Tradition wie der von Jägermeister zu lernen. Denn eine solche, über hundertjährige Erfolgsgeschichte als Familienunternehmen mit einem einzelnen, selbst entwickelten Produkt, da zeig mir mal einen Zweiten, ich wüsste keinen.

Übernimmt Jägermeister die Mehrheit an Gin Sul?

Michael Volke: Wir sind übereingekommen, die Einzelheiten unserer Partnerschaft nicht öffentlich zu diskutieren. Nur so viel: Für uns handelt es sich um ein strategisches Engagement. Wir wollen die Dynamik von Gin Sul erhalten. Stephan Garbe wird weiterhin unabhängig agieren können. Darin liegt die Stärke dieser Partnerschaft.

»In erster Linie werde ich neu gewonnene Freiräume für Gin Sul nutzen, das ist doch der Hauptzweck.« — Stephan Garbe

 Sind von Ihnen weitere Zukäufe geplant?

Michael Volke: Jägermeister hat das Glück keine Akquisitionen zu benötigen, um irgendwelche Zielsetzungen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen. Ansonsten gilt, was bisher galt: Nichts müssen, viel können und nur wollen, was auch wirklich passt.

Stephan, wirst Du auch für Jägermeister tätig sein?

Stephan Garbe: Viel hängt davon ab, welche Möglichkeiten ich tatsächlich für die Entwicklung von neuen Ideen erlangen werde, ich bleibe ja Gesellschafter und Geschäftsführer von Gin Sul. In erster Linie werde ich neu gewonnene Freiräume für Gin Sul nutzen, das ist doch der Hauptzweck der Übung für mich. Ich hab auch schon einiges im Kopf und freue mich wie Bolle, dass ich mich damit bald wirklich vertieft beschäftigen kann. Hamburg, Portugal, Gin, da gibt es noch tolle Möglichkeiten.

Herr Volke, was sind Ihre mittelfristigen Ziele mit Gin Sul?

Michael Volke: Gin Sul ist eine Sehnsuchtsmarke, die das Potential hat, sowohl emotional als auch durch Geschmack und Qualität einzigartig aus dem Gin-Markt herauszustechen. Diese Leuchtturmfunktion gilt es weiter auszubauen, Konsumenten Orientierung zu geben, und das in einem zunehmend unübersichtlich werdenden und täglich wachsenden Angebot an Gin-Produkten.

Stephan Garbe als Geschäftsführer und sein Team haben sich darüber hinaus ambitionierte Ziele gesetzt, die wir unterstützen. Wir werden als Sparrings-Partner unsere  Erfahrungen einbringen, um diese auch zu erreichen. Wir wollen Gin Sul gemeinsam sehr behutsam und intelligent breiter in relevanten Märkten aufstellen und die Geschichte weitererzählen. Es geht um neue begeisterte Gin-Sul-Fans. Der Rest kommt dann (fast) von ganz allein. Dabei werden wir immer im Blick behalten, den Geist und die Identität von Gin Sul zu bewahren, Wachstum um des Wachstums Willen wird es mit uns nicht geben.

Und wie bettet sich dieser Einstieg in die aktuelle Unternehmensstrategie der Mast-Jägermeister SE ein? Oder anders gefragt – wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren? Und was werden die Schlüsselthemen für den Premiumspirituosen-Sektor in den kommenden Jahren sein?

Ohne hier zu weit auszuholen: Jägermeister bleibt Jägermeister und wir werden unsere Strategie globaler Markenbildung, Internationalisierung, Innovation und Fokus konsequent fortsetzen. Uns geht es immer darum, Menschen zu begeistern und echte Markenfans zu gewinnen – durch tolle Erlebnisse rund um unsere Marke, die man nicht vergisst. Das wird auch noch in fünf oder 50 Jahren so sein. Wichtig ist dabei, dass man auf Basis starker Wurzeln und einem starken Markenkern permanent neue Perspektiven zulässt, neue außergewöhnliche Erlebnisse schafft und Innovation treibt – in allem was wir tun. Das ist die notwendige Antwort auf eher verhaltene Marktentwicklungen in vielen Teilen der Welt. Eine große Chance liegt in Fokussierung auf Qualität.  Die Partnerschaft mit Gin Sul passt da perfekt für mich. Sie eröffnet uns auf unserem Weg wieder neue Perspektiven, bringt Menschen zusammen die voneinander lernen und profitieren.

Lieber Stephan, lieber Herr Volke, wir bedanken und herzlich für das Gespräch!

Der Beitrag Gin Sul & Jägermeister: das große Interview erschien zuerst auf Mixology.

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Das Wolfenbütteler Familienunternehmen steigt mit einer Beteiligung bei Gin Sul ein. Im Interview erklären dessen Gründer Stephan Garbe und Jägermeister-Vorstand Michael Volke die Hintergründe. 

Nach der mehrheitlichen Übernahme von Monkey 47 durch Pernod Ricard im Januar 2016 wird heute die zweite strategische Kooperation eines neuen deutschen Gins mit einem der großen Spirituosenhäuser bekannt: Die Jägermeister SE aus Wolfenbüttel übernimmt einen Anteil an Gin Sul und vollzieht damit erstmals in ihrer Firmengeschichte einen Einstieg bei einer fremden Marke. Im ausführlichen Interview verraten Stephan Garbe, Gründer von Gin Sul, und Jägermeister-Vorstand Michael Volke die Hintergründe und Einzelheiten des Deals.

Stephan, das ist wirklich eine Überraschung. Wie kam der Kontakt mit Jägermeister zustande?

Stephan Garbe: Das ist schnell erzählt: Irgendwann vor etwas über einem Jahr stand Michael Volke bei uns in der Destillerie und wollte, wie andere auch, eine Flasche guten Gin kaufen. Er hat sich, was ich stark fand, gleich vorgestellt und gefragt, ob er sich „als Mann vom Fach“ unsere Destillerie mal anschauen darf. Ich hab ihn dann rumgeführt, mit ihm einen Gin & Tonic probiert – und wie das so ist, wenn zwei Fachidioten ins Gespräch kommen: Er ist fast zu spät zu seiner Verabredung gekommen und ich hab’ meine Bestellungen, an denen ich gesessen hatte, nicht mehr geschafft. Danach hat er mir angeboten, ihn auch mal in Wolfenbüttel zu besuchen. Und ich habe dann auch recht schnell Florian Rehm, den Urenkel des Jägermeister-Erfinders Curt Mast, kennengelernt. Die Wellenlänge stimmte von Anfang an. Das lag vielleicht tatsächlich auch daran, dass wir uns – bildlich gesprochen – eben eher am Tresen als bei Parship kennengelernt haben.

Wie liefen die Gespräche dann ab?

Stephan Garbe: Von Anfang an vertrauensvoll zugewandt, immer interessiert am Anderen und ohne wirklichen Ergebnisdruck. Sonst säßen wir jetzt auch nicht hier, da spreche ich sicher auch für Michael Volke und Florian Rehm. Ich glaube, ganz wichtige Faktoren waren, dass der erste Kontakt eher zufällig war. Wir hatten dadurch bereits eine gemeinsame Basis jenseits der Raketentechnik von Mergers & Acquisitions, als wir dann tatsächlich begonnen haben darüber nachzudenken, ob wir mehr daraus machen wollen. Vielleicht kann man es so beschreiben: Ich hatte das Gefühl, die beiden schon ein wenig zu kennen, als wir tatsächlich angefangen haben zu verhandeln. So ein Anfangsvertrauen erleichtert auch schwierige Gesprächssituationen ungemein, das habe ich gelernt. Und natürlich hing ganz viel daran, dass wir jeweils so eine besondere Beziehung zu unserem Produkt haben. Dadurch ist es viel leichter, sich gegenseitig zu verstehen. Wir haben denn auch zu keinem Zeitpunkt der Gespräche einen „Dolmetscher“ gebraucht, wie es sonst vielleicht der Fall sein mag, wenn ein kleines und ein großes Unternehmen miteinander sprechen.

»Stephan Garbe gefällt uns als Mensch und Unternehmer mit Vision und Leidenschaft. Das ist für uns entscheidend bei jeder Partnerschaft.« — Michael Volke

Herr Volke, Jägermeister ist seit Jahrzehnten als „Monomarke“ erfolgreich. Was ist der Grund, dass Sie sich jetzt zum ersten Mal für ein Engagement bei einem anderen Spirituosenunternehmen entschieden haben?

Michael Volke: Der eine Grund ist Gin Sul. Der andere Grund ist Stephan Garbe. Wir sind ein sehr erfolgreiches Familienunternehmen mit einer starken internationalen Marke Jägermeister, die noch ein riesiges Potential hat. Daher verfolgen wir keinen klassischen M&A-Ansatz wie viele andere. Gin Sul hat uns als Marke begeistert. Sowohl das Produkt als auch die Emotionalisierung als Sehnsuchtsmarke sind außergewöhnlich stark und haben Leuchtturmpotential im High-End-Gin-Bereich für mich. Stephan Garbe gefällt uns als Mensch und Unternehmer mit Vision und Leidenschaft. Das ist für uns entscheidend bei jeder Partnerschaft, die wir als Unternehmen eingehen. Wir glauben an die  Menschen hinter einer starken Idee und an außergewöhnliche Markengeschichten. Das macht Jägermeister erfolgreich, und das sehen wir auch in Gin Sul.

Hätten Sie denn nicht einfach weitermachen können wie bisher?

Michael Volke: Weiter wie bisher ist ganz grundsätzlich gegen unsere Überzeugung. Jägermeister hat sich als Marke und als Unternehmen in seiner Geschichte immer wieder neu erfunden. Wichtig ist uns, den klar definierten Kern und die Wurzeln zu erhalten und auf dieser Basis permanent Veränderungen zu stimulieren, die uns weiterbringen und unsere Verbraucher begeistern. Das hat uns erfolgreich gemacht und in diesem Kontext sehen wir auch das Engagement bei Gin Sul. Wir wollen Stephan und sein Team dabei unterstützen, die Potentiale von Gin Sul strategisch zu nutzen und weltweit vernetzte Zielgruppen zu erreichen. In der heute digitalisierten und mobilisierten Welt wird es darauf ankommen, aus den sehr glaubwürdigen regionalen Wurzeln jetzt konsequent, aber ohne Druck, das nächste Level zu erreichen. Die Menschen, die Gin Sul anspricht und begeistert, sind national und international vernetzt. Das ist die Basis für eine Expansionsstrategie, die weniger einer typischen geographischen als vielmehr einer Community- und Szene-Logik folgt. Das macht den Sprung über Grenzen und Regionen einfacher, aber auch notwendig. Das wird ein spannender Weg für Gin Sul.

Und Du Stephan, warum machst Du das? Was sind Deine Beweggründe?

Stephan Garbe: Mir ist es ähnlich gegangen wie einem Tischler, der mal angefangen hat, Stühle zu bauen, weil er Spaß daran hat, selbst etwas zu entwerfen. Und dann ist ihm ein toller Stuhl gelungen, den es so noch nicht gab. Zunächst kann er sein Glück gar nicht begreifen, wenn ganz viele Leute so einen Stuhl haben möchten. Dann merkt er irgendwann, dass er immer weniger in der Werkstatt und mit dem Holz zugange ist, weil er so viele Stühle verkauft, dass immer mehr seiner Zeit für Buchhaltung und Managementfragen drauf gehen. Und er fragt sich dann, wie es weiter gehen soll. So ähnlich fühlte ich mich.

»Mir ging es irgendwann wie einem Tischler, der nur noch Stühle verkauft, aber keine mehr baut.« — Stephan Garbe

Aber keine Sorge, das wird jetzt kein Wehklagen. Ich bin mir durchaus des Privilegs bewusst, dass ich etwas machen darf, was aus purer Leidenschaft entstanden ist, und dass ich davon jedenfalls so viele Menschen begeistern konnte, dass sich überhaupt die Frage gestellt hat, wie es damit weitergehen soll. Und ich bin dankbar dafür, dass es in meinem Umfeld und in meiner Familie Menschen gibt, die mich so gut kennen, dass sie mich darin bestärkt haben, statt im Management vielleicht doch besser da aufgehoben zu sein, wo ich neue Dinge entwickeln kann und zusammen mit Anderen Freiräume für kreative Dinge habe. Jeder, der mich gut kennt, weiß, dass dieser Schritt genau der richtige für mich ist. Ich hatte es ja vor einem Jahr, als wir uns kennengelernt haben, nicht auf eine Partnerschaft angelegt. Aber jetzt, wo sich die Möglichkeit dazu in dieser großartigen Konstellation ergibt, da sehe ich doch eine ganze Menge Vorteile und freue mich sehr, auf das was kommt.

Ich bekomme jetzt genau die Unterstützung, die ich mir wünsche – von einem Partner, den ich mir besser nicht wünschen kann.

Leidet durch eine solche Partnerschaft nicht automatisch die „gefühlte Integrität“ einer Marke? Und wie geht das mit dem oft gebrauchten Schlagwort „Craft“ zusammen?

Stephan Garbe: Richtig gut! Jägermeister ist ein Familienunternehmen, das auf seine Tradition und auch seine regionalen Wurzeln stolz ist und diese pflegt; ein Unternehmen, dem seit vielen Jahrzehnten Niemand erklären muss, wie gutes Handwerk geht. Ist das nicht „Craft“? Und nebenbei: Ich finde, bei dieser Craft-Diskussion täte ein wenig verbale und ideologische Abrüstung ganz gut. Angefangen damit, dass ich mir von Niemandem einreden lasse, dass Handwerklichkeit und wirtschaftlicher Erfolg ein Widerspruch sein müssen. Es geht doch um das Produkt. Gin Sul ist mein Baby, angefangen mit jeder einzelnen Zutat, über das Design der Flaschen bis hin zum transparenten Produktionsprozess in unserer eigenen Destillerie, von vorn bis hinten alles Handwerk und viel Liebe. Daran wird sich nichts ändern.

Mir hat im Übrigen auch noch Keiner erklären können, was die Alternative sein soll, wenn denn ein Craft-Produkt erfolgreich ist: Soll ich dann die Produktion bei Flasche x um der reinen Lehre willen deckeln? Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass Stillstand funktioniert – egal, ob man Möbel tischlert oder Gin destilliert –, wie soll ich dann meine Kunden bei einer solchen künstlichen Verknappung auswählen? Nur treue Stammkunden oder auch mal Neue, damit jeder mal darf?! Wer bin ich denn, mir so etwas anzumaßen? Allein diese Überlegungen zeigen doch, welch absurde Formen diese ganze Diskussion teilweise angenommen hat. Es kommt auf das Herzblut an, und das steht bei allen Beteiligten im Vordergrund.

Wie siehst Du derzeit generell den Gin-Markt und die sogenannte Craft-Szene im Allgemeinen?

Stephan Garbe: Beim Gin kann ich es recht präzise beschreiben. Gin ist nicht nur in der Verbindung mit Tonic ein großartiges Produkt mit einer sehr langen Tradition und vielleicht eine der ältesten Barspirituosen von Bedeutung. Ich gehe jetzt nicht so weit zu sagen, dass es das britische Empire ohne Gin nicht gegeben hätte. Aber mal ehrlich: Hättest Du Dir Queen Mum mit Goji-Beerenlikör anstelle von Gin Tonic vorstellen können?

Worauf ich hinaus will: Gin ist kein und war auch nie ein am Reißbrett des Marketings geschaffenes Kunstprodukt, sondern ein seit Jahrhunderten in fast unveränderter Form bestehendes Kulturgut. Es ist ein nicht zu vernachlässigender Mitverdienst der Craft-Bewegung, dass dieses Kulturgut in den vergangenen Jahren den ihm zukommenden Platz bei den Genießern zurückerlangt hat. Vielleicht werden wir irgendwann eine leichte Marktkonsolidierung beobachten, was die Anzahl der Brands angeht, aber was den grundsätzlichen Stellenwert dieses Klassikers betrifft, ist mir überhaupt nicht bange.

Was die Craft-Bewegung betrifft – sie war eigentlich überfällig, sie hat viel geleistet und auch ich habe ihr Einiges zu verdanken. Craft steht für einige ganz hervorragende Produkte. Ob bei den Brauern, bei den Winzern oder eben auch bei uns Destillateuren: Die Bewegung hat den Boden bereitet und ein Bewusstsein geschaffen, in dem Begriffe wie sauberes handwerkliches Arbeiten, Identifikation mit dem eigenen Produkt, das Besinnen auf auch regionale Traditionen, die Hinwendung zu schonenden Produktionsprozessen und das Bewusstsein für die Bedeutung der Zutaten wieder gebührenden Raum und Rahmen gewonnen haben.

»Der Mensch und die Marke haben uns überzeugt!« — Michael Volke

Wo siehst Du denn konkrete Gemeinsamkeiten mit dem Unternehmen Jägermeister?

Stephan Garbe: Lassen wir die Kirche im Dorf, ich werde mich hier nicht mit einem Weltmarktführer wie Jägermeister auf eine Stufe stellen. Aber es stimmt schon, abgesehen von der uns natürlich unterscheidenden schieren Größe gibt es tatsächlich mir persönlich sehr wichtige Gemeinsamkeiten. Ich liebe meinen Gin, ich bin sicher, das merkt man auch. Und bei Jägermeister ist es nicht anders: Wenn man mit den Leuten dort spricht – und ich habe inzwischen auch einige Kollegen aus der Produktion dort kennengelernt –, spürt man überall die tiefe Verbundenheit zum Produkt, und Keinem von denen ist egal, was er da eigentlich macht und womit er seine Brötchen verdient. Ich kann auch offen sagen, das hat mich positiv überrascht, ich hatte ein ganz anderes Bild von so einem Weltunternehmen. Ich vermute, es liegt daran, dass Jägermeister nach wie vor ein Familienunternehmen ist und dass man bei einem Traditionsprodukt, anders als bei ständig variierenden, marktforschungsgetriebenen Produktportfolia, auch viel eher die Art von echter Zuneigung und Identifikation mit dem eigenen Tun entwickeln kann, wie ich sie in Wolfenbüttel gesehen habe.

Und Sie, Herr Volke, warum haben Sie sich gerade für Gin Sul entschieden?

Michaekl Volke: Wie schon gesagt: Mensch und Marke haben uns begeistert. Aus unserer Sicht verbindet uns auch deutlich mehr als man zunächst denken mag. Wir sehen uns bei Gin Sul und bei dem, was Stephan Garbe in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt hat, oftmals erinnert an unseren Unternehmensgründer Curt Mast. Ich denke an den unternehmerischen Geist, die anpackende Art, die tiefe Hingabe zum Produkt und der Spirit, mit dem er seine Ideen vorantreibt. Aus diesem Mix sind in unserer Industrie die großen Erfolgsgeschichten entstanden, die Klassiker in den Bars der Welt. Wir haben das Glück, mit Jägermeister eine dieser Geschichten geschrieben zu haben – und es macht uns einfach Spaß,  Stephan Garbe und Gin Sul bei seiner Geschichte zu unterstützen.

Ich teile im Übrigen seine Einschätzung, was die Zukunft von Premium-Gin-Marken betrifft. Lassen Sie ein paar Spätberufene und Kopierexperten außen vor, aber die guten eingeführten Marken haben auch weiterhin erfolgreiche Zeiten vor sich, wenn sie sich treu bleiben. Der Markt hatte auf das Revival des Gin gewartet und die Konsumenten werden ihrer Wiederentdeckung die Treue halten, denn nur Weniges lässt sich gänzlich unabhängig von Ort und Jahreszeit so gut genießen wie ein Gin & Tonic. Abgesehen von Jägermeister natürlich.

Was erhofft sich Jägermeister konkret von dem Einstieg?

Gegenseitige Inspiration, neue, innovative Ideen und spannende Erkenntnisse über Consumer-Trends und neue Märkte. Und nicht zuletzt handelt es sich bei Stephan Garbe um einen außergewöhnlich kreativen Unternehmer, von dem wir sicher auch noch profitieren, wenn er mit uns als starkem Partner frei aufspielen kann.

Wie geht es mit Gin Sul weiter?

Stephan Garbe: Gin Sul ist Gin Sul und bleibt Gin Sul. Wir werden weiter in Altona in unserer herrlichen Destillerie unverändert unseren Gin herstellen und den Barleuten und unseren Kunden der Partner bleiben, der wir immer waren. Wir denken auch nicht an einen Vertrieb durch Jägermeister, aber natürlich ergeben sich neue Möglichkeiten, wenn man die Chance bekommt, mit den Besten zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Das betrifft zum Beispiel den Zugang zu neuen Märkten. Sicher hat Gin Sul auch portugiesische Wurzeln und damit auch zumindest ein kleines Seefahrer-Gen, und wir hier in Hamburg halten uns ja ohnehin gern für das Tor zur Welt. Aber ehrlich, ob ich mir allein ohne starken Partner irgendwann den Sprung in die globalen Metropolen zugetraut hätte – ich weiß es nicht. Und mal abgesehen von Märkten, Kunden und weißen Flecken auf der Landkarte – ich bin auch neugierig, mehr über die Entwicklung einer solchen großen Tradition wie der von Jägermeister zu lernen. Denn eine solche, über hundertjährige Erfolgsgeschichte als Familienunternehmen mit einem einzelnen, selbst entwickelten Produkt, da zeig mir mal einen Zweiten, ich wüsste keinen.

Übernimmt Jägermeister die Mehrheit an Gin Sul?

Michael Volke: Wir sind übereingekommen, die Einzelheiten unserer Partnerschaft nicht öffentlich zu diskutieren. Nur so viel: Für uns handelt es sich um ein strategisches Engagement. Wir wollen die Dynamik von Gin Sul erhalten. Stephan Garbe wird weiterhin unabhängig agieren können. Darin liegt die Stärke dieser Partnerschaft.

»In erster Linie werde ich neu gewonnene Freiräume für Gin Sul nutzen, das ist doch der Hauptzweck.« — Stephan Garbe

 Sind von Ihnen weitere Zukäufe geplant?

Michael Volke: Jägermeister hat das Glück keine Akquisitionen zu benötigen, um irgendwelche Zielsetzungen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen. Ansonsten gilt, was bisher galt: Nichts müssen, viel können und nur wollen, was auch wirklich passt.

Stephan, wirst Du auch für Jägermeister tätig sein?

Stephan Garbe: Viel hängt davon ab, welche Möglichkeiten ich tatsächlich für die Entwicklung von neuen Ideen erlangen werde, ich bleibe ja Gesellschafter und Geschäftsführer von Gin Sul. In erster Linie werde ich neu gewonnene Freiräume für Gin Sul nutzen, das ist doch der Hauptzweck der Übung für mich. Ich hab auch schon einiges im Kopf und freue mich wie Bolle, dass ich mich damit bald wirklich vertieft beschäftigen kann. Hamburg, Portugal, Gin, da gibt es noch tolle Möglichkeiten.

Herr Volke, was sind Ihre mittelfristigen Ziele mit Gin Sul?

Michael Volke: Gin Sul ist eine Sehnsuchtsmarke, die das Potential hat, sowohl emotional als auch durch Geschmack und Qualität einzigartig aus dem Gin-Markt herauszustechen. Diese Leuchtturmfunktion gilt es weiter auszubauen, Konsumenten Orientierung zu geben, und das in einem zunehmend unübersichtlich werdenden und täglich wachsenden Angebot an Gin-Produkten.

Stephan Garbe als Geschäftsführer und sein Team haben sich darüber hinaus ambitionierte Ziele gesetzt, die wir unterstützen. Wir werden als Sparrings-Partner unsere  Erfahrungen einbringen, um diese auch zu erreichen. Wir wollen Gin Sul gemeinsam sehr behutsam und intelligent breiter in relevanten Märkten aufstellen und die Geschichte weitererzählen. Es geht um neue begeisterte Gin-Sul-Fans. Der Rest kommt dann (fast) von ganz allein. Dabei werden wir immer im Blick behalten, den Geist und die Identität von Gin Sul zu bewahren, Wachstum um des Wachstums Willen wird es mit uns nicht geben.

Und wie bettet sich dieser Einstieg in die aktuelle Unternehmensstrategie der Mast-Jägermeister SE ein? Oder anders gefragt – wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren? Und was werden die Schlüsselthemen für den Premiumspirituosen-Sektor in den kommenden Jahren sein?

Ohne hier zu weit auszuholen: Jägermeister bleibt Jägermeister und wir werden unsere Strategie globaler Markenbildung, Internationalisierung, Innovation und Fokus konsequent fortsetzen. Uns geht es immer darum, Menschen zu begeistern und echte Markenfans zu gewinnen – durch tolle Erlebnisse rund um unsere Marke, die man nicht vergisst. Das wird auch noch in fünf oder 50 Jahren so sein. Wichtig ist dabei, dass man auf Basis starker Wurzeln und einem starken Markenkern permanent neue Perspektiven zulässt, neue außergewöhnliche Erlebnisse schafft und Innovation treibt – in allem was wir tun. Das ist die notwendige Antwort auf eher verhaltene Marktentwicklungen in vielen Teilen der Welt. Eine große Chance liegt in Fokussierung auf Qualität.  Die Partnerschaft mit Gin Sul passt da perfekt für mich. Sie eröffnet uns auf unserem Weg wieder neue Perspektiven, bringt Menschen zusammen die voneinander lernen und profitieren.

Lieber Stephan, lieber Herr Volke, wir bedanken und herzlich für das Gespräch!

Der Beitrag Gin Sul & Jägermeister: das große Interview erschien zuerst auf Mixology.

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Bis zur Vergabe der MIXOLOGY BAR AWARDS 2019 zerbricht sich wieder eine neunköpfige Jury den Kopf darüber, wer in den begehrten Long- und Shortlisten einen Etappensieg erreichen wird. Wir stellen die Jury und ihre Zusammensetzung vor und erklären, wer welche Länder im Auge hat.

„Es wird immer schwieriger, die richtige Entscheidung zu treffen“, schildert Erich Wassicek den monatelangen Arbeitsprozess der Jury angesichts der Vielzahl an neuen wie altbewährten Bars mit differenzierten Konzepten sowie herausragenden Persönlichkeiten der deutschsprachigen Bar-Szene, die sich nicht nur in den Großstädten eines jeden Landes weiterentwickelt hat. Schließlich versuche jede Bar, jeder Kollege und jede Kollegin, das Beste zu geben.

Jury-Mitglied: Freude und Ehre zugleich

Doch wann gilt man beispielsweise als bestes Barteam? Wenn man seit Jahren 30 Leute als beständiges Barteam jongliert, oder bloß drei Kollegen eine Bar rocken? „Sehr schwierig“, kommentiert der Betreiber und Gastgeber der Wiener Halbestadt Bar, der mit sieben Nominierungen in sechs Jahren selbst der Meistnominierte bei den MIXOLOGY BAR AWARDS gewesen ist.

Erich Wassicek hält in diesem Jahr zum dritten Mal den Vorsitz inne. „Es ist eine große Freude und Ehre zugleich“, sagt der Österreicher, der sich mit seinen acht Jurykollegen im selben Boot wähnt. „Wir sind gleichwertig. Nur bei Gleichstand blicke ich in 16 Augen und denke mir: ‚Sag‘ ja das Richtige’“, scherzt er und freut sich auf die Arbeit mit den Juroren aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, die das Bargeschehen verfolgen und mit ihrer Einsätzungen die Nominierungen und Preisträger bestimmen.

Geri Tsai wird in diesem Jahr nicht mehr in der MBA-Jury mitwirken. Der Betreiber der Wiener Bar Tür 7 scheidet auf eigenen Wunsch aus zeitlichen und familiären Gründen aus, hat sich aber vorgenommen, an der Verleihung teilzunehmen. „Mit drei kleinen Kindern zählt einfach jeder Tag. Ich habe mir viel Zeit für meine Entscheidung genommen und bin froh, dass diese auch so verstanden worden ist“, sagt der dreifache Familienvater, dem als solcher die Zeit für Barbesuche und daher der professionelle Blick für eine objektive Bewertung fehlt.

Neu in der Jury der MIXOLOGY BAR AWARDS 2019: Roland Graf

Einigermaßen überraschend, aber angesichts der familiären Situation nachvollziehbar, sei Tsais Mandatsrückgabe für dessen Landsmann Roland Graf gewesen. „Dass er von sich aus mich vorschlug, ehrt mich besonders. Die Latte liegt also hoch für den Neuen“, lacht der „Neue“ im Jurykollegium.

Graf, MIXOLOGY-Lesern wohl bekannt, ist weitgereister Reisejournalist, wirft jedoch stets auch ein Auge auf Bars im GSA-Raum. „Man will ja wissen, wo es einen guten Drink gibt und – auch das mitunter – wo man versacken kann“. Nach Jahren in allen Bereichen des Journalismus widmet sich der Genuss-Journalist mit Whisky-Schlagseite und Visa-gefülltem Pass seit einem Jahrzehnt in seiner Arbeit flüssigen Genüssen. Neben MIXOLOGY erscheinen seine Beiträge international in Magazinen wie Fine Drinking, BarLife oder Cigar Journal.

Ein Quintett hat Deutschland im Visier

Arnd Henning Heißen, Gabriel Daun, Kent Steinbach, Torsten Spuhn und Peter Eichhorn haben vorwiegend Deutschlands Bar-Szene zur Beurteilung im Visier.

Neben seiner Tätigkeit als Manager der Frankfurter Gekkos Bar macht Gabriel Daun „wenig, was nicht mit Bar oder Gastronomie im weiteren Sinne zu tun hat“. Der Literaturwissenschafter liest vornehmlich Barliteratur, Kochbücher sowie belletristische Werke, besucht gerne Restaurants und kocht auch selbst. Daun interessiert sich neben Spirituosen sehr für Wein, Kaffee und Tee. Zudem fungiert er als MIXOLOGY-Autor, Juror der Diageo World Class für Deutschland und Österreich und Schirmherr des Programms Master of American Whiskey. Gabriel Daun ist zum dritten Mal Teil der MBA-Jury und freut sich sehr über diese Aufgabe.

PETER EICHHORN SCHÄTZT DIE BARKARTE

Peter Eichhorn agiert bereits seit 2013 in der MBA-Jury und zählt mit dem Vorsitzenden Erich Wassicek zu den längst gedienten Juroren. „Es macht jedes Jahr sehr viel Spaß“, sagt der leidenschaftliche Kulinariker und Reisende und zeigt sich begeistert von der Dynamik in der Barlandschaft, ob nun Kreativität in der Gesamtphilosophie oder Kreation der Drinks.

„Das hat in den letzten drei Jahren Fahrt aufgenommen“, findet Eichhorn, der auch die Bedeutung einer Barkarte zu schätzen weiß. „Manche nehmen das nicht so ernst, aber für mich ist die Barkarte eine der wichtigsten Visitkarten einer Bar, auch immer mehr Barbetreiber sehen das so. Die beste Barkarte des Jahres ist somit ein toller Preis“. Essen und Trinken stehen für den Wahlberliner stets im Mittelpunkt „egal ob in Bielefeld oder Tokio“, um danach die Feder für Beiträge in Magazinen des MIXOLOGY-Verlages, Falstaff, Hauptstadt-Magazinen oder Qualitätszeitungen zu spitzen.

Schub und Kraft

Auch Arnd Henning Heißen beobachtet einen „tollen Schub“ in der Barentwicklung und freut sich über die erneute Mitwirkung in der Jury. „Es ist eine tolle Gelegenheit, mitzuhelfen, die Barkultur auszuzeichnen, Bars wertzuschätzen und diejenigen in den Mittelpunkt zu stellen, die etwas bewegen. Darum geht es. Es gibt viele Bartender, die sich Gedanken über Konzepte und Nachhaltigkeit machen oder Zutaten wählen, nicht weil sie exotisch, sondern passend sind“, sagt der ehemalige Leiter der Shoshu Bar im Berliner Adlon-Kempinski und heutige Barchef des Curtain Club sowie des Fragrances im Berliner Ritz-Carlton.

Auf eine gewichtige Stimme aus Erfurt und Umgebung werden wir auch in diesem Jahr nicht verzichten. Daher darf Torsten Spuhn, der seit 30 Jahren als Bartender nationale und internationale Spuren hinterlässt und auf mehr als 100 Titel und Nominierungen zurückblicken kann, in der MBA-Jury nicht fehlen. Der Betreiber des Modern Masters in Erfurt ist genauso an Bord wie Kent Steinbach, ein Urgestein der Barszene, dessen Mojito’s Fine Cocktailbar in Düsseldorf eine Hommage an Kubas Mojito darstellt. Mit seinem kritischen Blick wird Kent Steinbach vorwiegend Eindrücke aus dem Westen Deutschlands einbringen.

MIXOLOGY BAR AWARDS 2019: Jury mit Schweizer Spuren

Die beiden Wahlschweizer und bekannten Bartender Wolfgang Bogner und Thomas Huhn ergänzen das Juryteam mit ihren Stimmen zur Barentwicklung aus dem Nachbarland. Während Wolfgang Bogner nach Stationen in Zürichs Onyx Bar im Park Hyatt oder im Hilton nun in seiner Tales Bar für Wohnzimmer-Atmosphäre und gepflegte Trinkkultur auch zu später Stunde sorgt, managt Thomas Huhn, Initiator des Vereins Basel Bartender samt dazugehöriger Cocktail Competition, die Bar im Fünfsternhotel Les Trois Rois am Ufer des Rheins in Basel.

Was muss man also tun, um in den begehrten Listen aufzutauchen? „Gut arbeiten“, äußert sich Wassicek überzeugt und meint: „Aber eigentlich ist der beste Preis, wenn Gäste zufrieden sind und wiederkommen“. Demnach gibt es viele Gewinner. Wir aber bleiben gespannt, wen die „Neune“ auf den Long- und Shortlisten sowie als Preisträger der MIXOLOGY BAR AWARDS 2019 nominieren werden.

Der Beitrag DAS IST DIE NEUNKÖPFIGE JURY DER MIXOLOGY BAR AWARDS 2019 erschien zuerst auf Mixology.

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Mixology.eu by Redaktion - 2w ago

In der Champions League darf wieder gesoffen werden, Brown-Forman reagiert als erster US-Brenner auf die EU-Zölle und das Kohlendioxid fürs Bier wird knapp. Unsere neue Inventur geht dahin, wo es wehtut – auch in Sachen Lohnbrennverfahren.

Was gehört auf jeden Fall zu einem gelungenen Sonntag? Richtig: ein opulentes Frühstück, Brunch oder sonst irgendetwas Reichhaltiges zu essen, mit dem man sich für die zurückliegende Nacht oder Nachtschicht belohnt. Und was sollte zu diesem Essen eigentlich immer dazugehören? Wieder richtig: ein gutes Stück Brot.

Passend dazu starten wir heute unsere Inventur quasi „in eigener Sache“. Die Berliner Fotografin und Schauspielerin Ava Celik hat unser Magazin und auch den Bar Convent Berlin im Laufe der Jahre oftmals als Fotografin mit begleitet und für viele tolle optische Eindrücke gesorgt. Doch bei Celik steht nun etwas anderes auf der Agenda. Seit mehreren Jahren nämlich weiß sie um ihre Gluten-Intoleranz und sucht daher nach dem perfekten, echten, aber eben glutenfreien Sauerteigbrot – das es schlicht nicht gibt. Aus der Suche nach dem Brot ist mittlerweile eine Suche nach dem perfekten Rezept geworden, die Notwendigkeit ist für Celik zur Leidenschaft geworden. Eine Leidenschaft, die nun in einer eigenen Brotmanufaktur gleichzeitig ihren Ziel- und neuen Anfangspunkt finden soll. Dafür sucht sie aktuell nach einem geeigneten Objekt in der Hauptstadt. Ein sehr informativer Videobeitrag der Kollegen von Zeit Online vom Anfang der Woche stellt außerdem das Projekt und die Idee dahinter eindrucksvoll vor. Haben Sie schon Appetit? Gut so! Widmen wir uns also frisch gestärkt den Themen der Woche.

Champions League: Endlich wieder richtiges Bier

Wir wollten ja eigentlich nicht über Fußball reden, machen ja gerade eh alle. Doch wir kommen nicht drumherum. Denn da hat sich im Windschatten der WM in Russland eine Meldung von The Drinks Business geradezu im Nirgendwo verloren, die den Stadiongängern ein Grund zur Freude sein dürfte. Die UEFA hat nämlich in einer Sitzung ihres Exekutivkomitees beschlossen, den Verbot des Ausschanks alkoholischer Getränke in den Stadion bei Spielen der Champions League und Europa League aufzuheben (wir wussten gar nicht, dass dem so war).

Der einschlägige § 36 der entsprechenden Sicherheitsbestimmungen hatte bislang verboten, dass in den Stadien vor und während der Spiele kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, also auch kein normales Bier. Fan-Zusammenschlüsse hatten dagegen schon lange protestiert, unter anderem mit Verweis darauf, dass solche Verbote sogar beim wesentlich wilderen Rugby nicht existieren. Die UEFA bewegt sich nun also auf jene Leute zu, die den Profisport durch ihre Stadionbesuche zu einem guten Teil mitfinanzieren. Man beruft sich als Begründung u.a. auf deine Studie von 2010, die besagt, dass sich Alkoholverbote in Stadien üblicherweise kaum oder gar nicht auf den Trunkenheitsgrad der Fans auswirken (gesoffen wird sonst eben vor dem Stadion oder eben heimlich). Aber auch die Vermutung, dass Interessenvertreter der Großbrauereien ein wenig Einfluss genommen haben dürften, wollen wir nicht ausschließen. Bleibt nur zu sagen: Prost!

Kein CO2, kein Bier!

Wir bleiben noch kurz beim Gerstensaft. Denn jener unterliegt zwar in Deutschland dem Reinheitsgebot, ist aber heutzutage für die meisten Hersteller auch nicht ohne industriell zugeliefertes Kohlendioxid produzierbar. Und genau jenes Gas, das fürs Prickeln in allen möglichen Getränken nötig ist, scheint derzeit auf dem Markt rar zu werden.

Besonders angespannt scheint die Situation aktuell in Großbritannien, wo Brauereien bereits beginnen, die Lagerbestände zu rationieren und auch mitunter schon einzelne Zapfhähne in den Pubs trocken bleiben. Der Deutsche Brauer-Bund stimmt zwar zu, dass die Lage nicht wie gewohnt sei, gibt aber zu Protokoll, dass die Probleme aktuell noch „überschaubar“ seien. Doch lesen Sie selbst, wie Pub-Freuden, Fußballgucken, Bierbrauen, Colatrinken und Düngemittel miteinander in Zusammenhang stehen. Ein hochinteressanter Beitrag der Frankfurter Allgemeinen.

American Whiskey: Jetzt geht’s doch los mit den Erhöhungen

Erst gut eine Woche ist es her, dass unser Autor Markus Orschiedt in seinem ausgiebigen Dossier über mögliche Preiserhöhungen in Sachen American Whiskey im Zuge neuer Gegenzölle der EU vor allem zu einem Ergebnis kam: Noch mag die Industrie nicht wirklich über das Thema sprechen. Man hielt sich bedeckt. Nun allerdings scheinen die vielerorts befürchteten Konsequenzen doch schneller zu kommen als zunächst angedeutet.

Mit Brown-Forman nämlich hat einer der größten Hersteller von US-Whiskey Mitte der Woche bekanntgegeben, im Zuge der eintretenden Bezollung die Endpreise seiner Produkte in der EU im Durchschnitt um rund 10 Prozent zu erhöhen. Das teilt etwa The Spirits Business unter Berufung auf den Konzern aus Louisville/Kentucky mit, der mit Jack Daniel’s den wichtigsten American Whiskey überhaupt herstellt, außerdem u.a. die Marken Woodford Reserve und Old Forester. Man darf davon ausgehen, dass Brown-Forman mit dieser Entscheidung und dem Mut, als erster geplante Erhöhungen zu kommunizieren, quasi die Blaupause für das Vorgehen anderer US-Hersteller geliefert hat. Hier die Meldung im Detail.

Eigene Spirituose, keine Brennerei – wie geht das?

Schnaps herstellen ohne Brennerei – nicht wirklich eine große Sache, wenn man sich ein wenig auskennt. „Lohnbrennen“ bzw. „Contract Distilling“ wird das genannt, und es ist eine vollkommen gängige Praxis. Jemand entwickelt ein Rezept für eine Spirituose, eine Brennerei fertigt dann das Produkt. Das klingt erstmal schrecklich kalt, falsch und unromantisch. Ist es sicher auch häufig – man denke an das mittlerweile etablierte Schmähwort „Agentur-Gin“ –, aber eben auch nicht immer. Zudem ist dieser Weg für viele kreative Köpfe der einzig mögliche Einstieg in die Welt der eigenen Spirituose.

Einen interessanten, umfassenden Einblick in diese oft eher totgeschwiegene Sphäre liefert SevenFiftyDaily in einem großen Artikel von Ryan Malkin. Der zeigt darin nicht nur, dass „Lohnbrennen“ auch bedeuten kann, dass Brenner und Entwickler wirklich zusammenarbeiten, er geht auch auf die verschiedenen Dimensionen, Möglichkeiten und Wahrnehmungen ein. Und er merkt beispielsweise den interessanten Umstand an, dass die Produkte der unter US-Bartendern wahnsinnig populären The 86 Company allesamt auch Lohnbrände sind, während der Großbrenner MGP dafür gescholten wird, zahlreichen Whiskeyherstellern zuzuliefern. Unbedingte Lese-Empfehlung für den Einstieg in ein oft nur sehr einseitig betrachtetes Thema.

Der Beitrag Inventur am 1. Juli 2018 erschien zuerst auf Mixology.

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Falernum-Meister Markus Altrichter setzte in Eigenregie die erste Competition seines Falernums „Oldjudge“ unter Wiener Palmen um. Dort wurde bewiesen, dass Österreichs Tiki-Leidenschaft möglicherweise etwas spät erwacht ist, dass die Overproof-befeuerte Flamme aber nun umso heller brennt.

Selbst das Wetter schien zu signalisieren: alles richtig gemacht! Markus Altrichter und Julia Kub, besser bekannt als das Paar hinter dem Austro-Falernum „Oldjudge“, hatten mit ihrem in Eigenregie gestemmten „Tiki-Match“ gezeigt, dass es mit einem halben Jahr Herzblut auch als kleiner Produzent möglich ist, eine attraktive Cocktail-Competition ins Leben zu rufen.

Dank der Industriepartner – von Angostura Rum (Bauer Spirits) über Fever Tree (Weinturm), Naber, Diageo und De Kuyper bis zu den Händlern Metro und Del Fabro – verwandelte sich der Volksgarten in eine Insel der Rum-Cocktails, die den Competition-Teilnehmern einiges abverlangte. Aber schließlich ging es mit einer Reise nach Trinidad zu den Machern von Angostura auch um einen attraktiven Preis, den die „Oldjudges“ für ihre Premiere ausloben konnten.

Strohhut-Match mit Ian Burrell

Bei der Jury jedenfalls gelang ebenfalls eine Punktlandung: Rum Fest-Gründer Dirk Becker, Christian „Dobi“ Dobersberger (Bacardi-Martini), Rum-Ambassador Ian Burrell himself sowie der Autor dieser Zeilen analysierten die sechs Final-Krationen. Unabgesprochen erwies sich das Quartett als „Hat-Gang“, deren Strohhüte von Weiß bis Jeans-Blau in den Wiener Nachmittag leuchteten.

Dass sich kein Wiener Bartender im ostösterreichischen Vor-Finale, das in Linz stattfand, qualifizieren konnte, ermöglichte ein interessantes Tiki-Match. Die Stahlstadt-Kinder gaben im Volksgarten im Dreierpack eine Kostprobe vom hohen Level der dortigen Szene: Michael Kreuzer („Frau Dietrich“) schmiss sich einmal mehr in den Tiki-Anzug, Moritz Horton (aus dem Schwesterlokal „Tiki Tiki“) und Andreas Lugmayr (Barman.at) trafen auf das Tiroler Trio James Keegan Juarez Matos („Stollen 1930“, Kufstein), Irena Convalexius und Rupert Paar (beide „Eckstein Bar“, Innsbruck).

Genug Oldjudge im Competition-Drink?

Der Modus machte die Spielräume für Kreativität eng. Denn neben dem Falernum, einem Rum (aus dem Portfolio von Angostura oder Pampero) und einem von vier Likören kam auch die per Zufall geloste Zutat aus der „Black Box“. Honig, Kokosnuss, Ananas, Paprika oder doch Chartreuse? Ein Quäntchen Glück war gefragt unter den Palmen des Volksgartens.

Gleich vier vorgegebene Ingredienzien und der Verzicht auf mitgebrachte Eigenkreationen brachte die Finalisten neben der Wiener Sonne jedenfalls ins Schwitzen. Zumal nicht jeder auch die Mengenangaben aus der Ausschreibung im Kopf behielt. Nur ein Zentiliter Falernum? Da zeigte die Sonnenbrille-bewehrte Runde dann eine weniger sonnige Seite bei der Punktevergabe.

Pfiffiger Tiki-Fun mit Schautafeln

Der Overproof-Rum blieb beim Wiener Finale im Kasten, dafür verlieh die grüne Chartreuse als Black Box-Zutat zwei Drinks Nachdruck. Rupert Paar zitierte mit dem Likör französische Südsee-Maler wie Gauguin und toppte das Ganze mit einem Plastikkamm als Garnitur. Warum? „It’s art, baby“, zeigte sich der ehemalige Kunststudent schlagfertig.

Und auch Andreas Lugmayr ergänzte seine riesige Schatzkiste, in der bereits Pflasterstein-große Eisblöcke warteten, um Chartreuse. „My Treasure“ begeisterte als letzte Performance die Zuschauer im Volksgarten, zumal der Linzer die Geschichte des Drinks nur mit Pfeifen und Schautafeln erklärte. Diese Präsentation veranlasste die Oldjudge-Jury zu einem Sonderpreis, Ian Burrell spendetet aus seiner Tiki Mug-Sammlung ein extravagantes Exemplar für die kreative Präsentation.

Oldjugde Competition geht an …

Der Sieg ging allerdings ebenfalls nach Linz, das mit drei Finalisten somit zwei Preise abräumen konnte. Michael Kreuzer hatte mit einem weißen Pampero samt Blitzinfusion mit gegrillter Paprika die Nase vorne. „Jeder mag die Ferien“, so der Linzer zu seiner Kreation. „Die auch jeder mögen sollte“.

Der zugeloste Paprika war die Zutat, auf die er gehofft hatte. Entsprechend balanciert fiel das Ergebnis aus, auch wenn der quirlige Barchef seinen Strainer erst per Eilschritt aus dem Bar-Kit holen mußte. Mit einem Glanzlicht – Palmen aus Melonen-Fruchtfleisch – rundete er den „Holiday“ ab. Und darf nun demnächst selbst seine Ferien antreten – in Trinidad.

Der Beitrag Tiki-Match statt Kick-WM: Michi Kreuzer gewinnt erste Oldjudge-Competition erschien zuerst auf Mixology.

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Zum dritten Mal ging diese Woche der Black Forest Bar Cup über die Bühne. Den Sieg im Schwarzwald holte sich der heimische Wettbewerbsroutinier Alexander Mayer, sogar mit „Schwarzwälder Limette“. Der zweite Platz geht nach Berlin, komplett neu war in diesem Jahr die zweite Konkurrenz zum Thema Barfood.

Objektiv betrachtet ist die Sache natürlich klar: Der Schwarzwald ist das schönste Fleckchen Deutschlands, das muss man selbst als norddeutscher Teilzeitberliner neidlos und ohne Umschweife anerkennen. Das gilt im Winter wie im Sommer. Erst recht natürlich im Sommer. Das weiß auch Willi Schöllmann, der seit vielen Jahren im beschaulichen Offenburg mit seinem Schoellmanns und dann später zusätzlich mit dem Haus Zauberflöte besondere gastronomische Akzente jenseits von Kleinstadtmuff setzt und – vor allem! – schon zu einem Zeitpunkt eine echte, moderne Barkultur in der Stadt etabliert hat, als die Geschehnisse etwa in Mannheim, Bamberg oder Freiburg noch nicht in aller Munde waren. Ein MIXOLOGY BAR AWARD für die „Barkarte des Jahres 2013“ untermauert die Qualität der dortigen Arbeit eindrucksvoll.

Black Forest Bar Cup: Nur Bezug zum Schwarzwald ist notwendig

Da verwundert es wenig, dass der Überzeugungstäter Schöllmann vor zwei Jahren mit dem Black Forest Bar Cup einen kleinen, aber feinen und besonderen Cocktailwettbewerb entwickelt hat. Das Besondere? Es gibt keine markenbezogenen Vorgaben, womit die Bewerber ihre Drinks zubereiten müssen – einzig ein deutlicher Bezug zum Schwarzwald und seiner (kulinarischen) Kultur muss durch das Rezept gegeben sein. Diesem speziellen und seltenen Reiz, sich keiner Produkt-, sondern einer Inhaltsvorgabe widmen zu müssen, setzen sich viele namhafte Bartender (nicht nur aus dem Schwarzwald) gern aus.

Am Montag, dem 25. Juni, kamen daher zehn Bartender und Bartenderinnen aus Deutschland zusammen, um in der grandiosen Kulisse der Bar im Roomers Baden-Baden (die Location des eigentlichen Wettbewerbs wechselt jährlich) zu ermitteln, wer von ihnen im Jahre 2018 den Schwarzwald am stimmigsten in ein Cocktailrezept überführen konnte. Erstmals wurde 2018 zudem eine zweite, komplett neue Konkurrenz ausgelobt: Sechs Köche aus namhaften, teilweise hochdekorierten Sternehäusern gingen an den Start in der Kategorie „Barfood“. Zur Jury zählten neben Schöllmann sowie seinen beiden früheren Mitarbeitern Jan Jehli (One Trick Pony, Freiburg; amtierender „Mixologe das Jahres“) und Jonas Stein (mittlerweile Kantine Kohlmann, Berlin) noch der Connaisseur Martin Kammerer sowie der Autor dieser Zeilen.

Kopf-an-Kopf-Rennen beim Black Forest Bar Cup

Aus dem Feld der Finalisten setzte sich schließlich ein Spitzenduo deutlich ab: Guilherme Gonzatti (Provocateur, Berlin) und Jehlis Kollege Alexander Mayer konnten sowohl durch ihren Drink als auch mit ihren Präsentationen und Storys hinter dem Rezept punkten und machten der Jury die Entscheidung alles andere als leicht. Schlussendlich setzte sich Alexander Mayer knapp durch und begeisterte mit seinem „Schwarzwälder Ampfer-Dampfer“, mit dem ihm ein wahrer Kunstgriff gelang: Denn sein Cocktail setzt sich tatsächlich zu 100 Prozent aus Schwarzwälder Zutaten zusammen – ein absoluter Einzelfall unter den vielen innovativen Rezepturen des Tages.

Mit seiner erfrischend-komplexen Highball-Kombination aus Monkey 47, Schladerer Maraschino, heimischem Mineralwasser, Fichtensprossengeist von Faude Feine Brände und dem mysteriösen „Saft von der Schwarzwälder Limette“ (dazu unten mehr, siehe Rezept) konnte der Lokalmatador und Wettbewerbsroutinier die Juroren letztlich klar überzeugen. Gonzatti holte sich mit seinem „Lago Negro“, der Boar Gin und einen hausgemachten Beeren-Shrub eindrucksvoll zusammenbrachte, einen verdienten zweiten Platz.

Black Forest Bar Cup bewertet erstmals Barfood

Beim Barfood brillierte der erst 19jährige Auszubildende Florian Hieke aus dem Romantikhotel Spielweg in Münstertal mit seiner lokalen Interpretation asiatischer Klassiker: Er kombinierte eine Mayonnaise aus Schwarzwälder Miso mit einer Hirschrücken-Sommerrolle und pikantem Spitzkohl-Kimchi, der zweite Platz ging an Julian Lechner aus dem weltberühmten Bareiss in Baiersbronn für seine minimalistische Komposition aus geräuchertem Saibling, Gurke und Joghurt.

Für Mayer ist es bereits der zweite Sieg in einer Competition, bei der heimische Zutaten im Fokus stehen: Bereits 2015 konnte er mit seinem Drink „Cowbell“ bei der Made in GSA Competition unter Beweis stellen, dass er über ein exzellentes Verständnis für die Verarbeitung regionaler Spezialitäten in zeitgemäßen Cocktails verfügt. Er und Hieke dürfen sich nun über ein Preisgeld von jeweils 1.000 Euro sowie eine Magnumflasche Bollinger-Champagner freuen, für die beiden Silber-Gewinner gibt es jeweils die Hälfte.

Schwarzwald, gerne wieder!

Letztlich bleibt festzuhalten, dass es Willi Schöllmann mit seinem Black Forest Bar Cup abermals gelungen ist, einen einzigartigen Cocktailwettbewerb zu veranstalten, der kreativen Bartendern einen grandios freien Rahmen für ihre Ideen einräumt. Das Konzept, auf lokale Sponsoren (etwa Porsche und den in Offenburg ansässigen Spülmaschinenhersteller Meiko) zu setzen, die aber allesamt keine Getränkehersteller sind, dürfte singulär sein. Und dafür gebührt ihm Respekt. So ist das eben mit Überzeugungstätern. Auf die 2019er Ausgabe des Black Forest Bar Cup kann man sich getrost schon jetzt freuen – und das nicht nur, weil es im Schwarzwald so schön ist.

Der Beitrag Black Forest Bar Cup: Mit Gin und Schwarzwälder Limetten zum Sieg erschien zuerst auf Mixology.

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Mit dem Bacardí Añejo Cuatro und der Paloma Lemonade Mango stehen gleich aus zwei großen Häusern Neuheiten auf dem Tisch. Aber auch die kleinen Hersteller dürfen nicht fehlen, diesmal aus Bayern, Württemberg und in Form einer steirisch-berlinerischen Kooperation.

Der Launch des Bacardí Añejo Cuatro vor ein paar Wochen wurde viel beachtet. Nun steht er in den Regalen und auch bei der Verkostungsrunde auf dem Tisch. Passend zum Sommer (und weil immer mehr Limonaden den Weg in die Redaktion finden) starten wir auch heute mit gleich zwei alkoholfreien Produkten. Für den Anfang gehen wir nach Bayern.

M.A.T. Craft Lemonade Rosmarin

Es ist natürlich immer ein kleines bisschen eigenartig, wenn der Begriff „Craft“ als Teil der Marke genutzt wird. Das soll aber nichts daran ändern, dass M.A.T. Drinks aus dem schönen Bad Tölz mit seinen fünf Limonaden ein sehr interessantes Anfangsportfolio auf den Markt gebracht hat. In die überaus hübschen Keulenflaschen mit dem Affenlogo finden die Sorten Enzian, Salbei, Gurke, Preiselbeere und Rosmarin ihren Weg, letztere hat sich die Runde zum Text vorgenommen.

Dabei überzeugt gleich zu Beginn ein wahrhaft dichter, ätherischer und leicht deftiger Rosmarin-Duft, der dank einer begleitenden Zitrusnote eine feine Leichtigkeit und Eleganz erhält. Definitiv ein anregendes Aroma! Dieser olfaktorischen Intensität kann der Eindruck im Mund leider nicht ganz gerecht werden. Die Kohlensäure macht trotz vorsichtigen Einschenkens einen relativ flachen Eindruck, die Limonade vermittelt dadurch ein vergleichsweise dünnes Mundgefühl. Bestehen bleibt die herbale Note des Rosmarins, der allerdings im Vergleich zum Nosing die charakteristische Harzigkeit abgeht. Neben der Kohlensäure dürften nach Ansicht der Tester auch Bitterkeit und Säure ein wenig mehr Raum bekommen, um der Limonade zu etwas mehr Intensität und damit der Nutzbarkeit als Filler zu verhelfen. Insgesamt ein interessantes Produkt, das aber noch Luft nach oben hat. Zum fairen Preis kann man sich selbst von den M.A.T. Craft Lemonades überzeugen.

0,25 Liter

0% Vol.

€ 1,55 z.B. sprit-shop.net

matdrinks.com

 Paloma Lemonade Mango

Mit der Grapefruit-Limonade Paloma, angelehnt an den gleichnamigen Tequila-Highball, bietet Borco aus Hamburg seit Jahren ein flächig verbreitetes deutsches Pendant zu den internationalen Marken wie z.B. Ting. Nach der ersten Line-Extension mit der Sorte „Watermelon“ erhält die Taubenfamilie nun mit der Abfüllung „Mango“ ihr drittes Mitglied. Passend zur Terrassensaison dürfte die Sorte mit dem seit Jahren trendigen Aroma schnell vielerorts gelistet worden sein.

Wie bei vielen Mango-Produkten ist auch das Kernaroma der Paloma Lemonade Mango angesiedelt zwischen Mango und Passionsfrucht. Die typische Mango-Süße mit Assoziationen an Honig ist nur sehr dezent zu erahnen, es dominieren herbe Anklänge, eben von Passionsfrucht, aber auch von der Grapefruit der „älteren Schwester“. Erst nach ein paar Augenblicken offenbart die Paloma Lemonade Mango ein wenig mehr klassischen Mango-Duft. Der Gesamteindruck lässt mehrere Verkoster an den urigen Tropifrutti-Mix denken. Auch der Geschmack erinnert mit seiner leichten Adstringenz zunächst eher an Maracuja, die Mango gesellt sich eher als Partner mit hinzu. Recht leichte Kohlensäure und eine kraftvolle Süße lassen im gekühlten Zustand durchaus Erinnerungen an Wassereis aufkommen. Eine gut eingebundene, dezente Säure rundet die Paloma Lemonade Mango ab und unterstreicht den Anspruch an die Mixability des Produktes.

0,35 Liter

0% Vol.

€ 1,29

paloma-lemonade.de

Freimeisterkollektiv Wermut Extra Trocken

Es wird nicht still um das von Theo Ligthardt initiierte Netzwerk aus Brennern und Getränkeproduzenten, das sich einem unverhandelbaren Qualitätsanspruch, Innovation und dem Fokus auf die hochwertige Bar verschrieben hat. Laufend kommen neue Abfüllungen auf den Markt (aktuell entsteht in Kooperation mit mexikanischen Handwerksbrennern gar ein Mezcal), zu den jüngsten zählt der Wermut Extra Trocken aus der Hand der Winzerin und Brennerin Lisa Bauer aus der südöstlichen Steiermark. Erinnert man sich an den von Florian Faude kreierten Curaçao, der aufgrund fehlenden Zuckers eigentlich gar keiner ist, ahnt man, was man im Falle des Freimeisterkollektivs beim Begriff „trocken“ erwarten darf.

Dem wird das Aroma auch sofort gerecht: Die Nase des strohgelben Wermut ist zunächst ein wenig irritiert vom Reichtum, der sich allerdings schnell in eine komplexe Verbindung von Zimt, Mineralität, deutlichem Wermutkraut und floralen Noten wie Veilchen und Lavendel aufschlüsselt und ein harmonisches, jedoch spannungsvolles Bild vermittelt. Am Gaumen zeigt sich die kraftvolle Trockenheit in der Tat mit viel Biss und der leicht salzigen Erdigkeit eines Fino Sherry, dazu flankiert mit leicht erdigen Noten. Besonders fein kommen außerdem Nuancen von Kumquat, Pampelmuse und abermals Veilchen zum Tragen – alles natürlich mit einer satten, charakteristischen Bitterkeit. Ein aufregender, hochinteressanter Wermut für zahlreiche Mix-Experimente. Wie alles vom Freimeisterkollektiv auch mit überaus attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis. Unbedingt probieren!

0,5 Liter

19% Vol.

€ 15,- im eigenen Webshop

freimeisterkollektiv.de

Bacardí Añejo Cuatro

Vor knapp einem Vierteljahr gab Bacardí die Lancierung der neuen Abfüllung mit dem klangvollen Namen Bacardí Añejo Cuatro bekannt. Dahinter verbirgt sich nichts anderes als ein Blend von mindestens vier Jahre lang gereifter Rums, das Haus mit der Fledermaus bietet mit dem Cuatro also ein neues dezidiertes Bindeglied zwischen den Standardabfüllungen und dem höherwertigen, acht Jahre gereiften „Ocho“ – während letzter bei Bacardí das Sipping-Segment eröffnet, ist der Bacardí Añejo Cuatro hingegen ausdrücklich als Mix-Rum vorgesehen.

Ins Glas kommt der Cuatro mit einer ansehnlichen, satten Bernsteinfarbe, er zeigt nur minimale Viskosität. Neben einer leichten, alkoholischen Schärfe zeigen sich zuerst typische Aromen von Honig, Karamell und Vanille, etwas später kommen klassische Gewürze wie Piment, Cassiazimt und eine Spur Nelke dazu. Gerade die leichte, typische und blumig-erdige Nelkenschärfe setzt sich am Gaumen deutlich fort, während eine deutliche Süße dem Bacardí Añejo Cuatro ein rundes Volumen gibt, dessen Verweis auf Crème-brûlée allerdings manchem Liebhaber zu sehr von der trockenen, leichten Eleganz des kubanischen Stils wegführen könnte. Das ändert nichts daran, dass man mit dem Bacardí Añejo Cuatro einen interessanten goldenen Mix-Rum vorgelegt hat, dessen Preis ihn für viele Bars hochattraktiv machen dürfte.

0,7 Liter

40% Vol.

€ 17,90

 bacardi.com

 Heimat Gin

Mit dem Begriff „Heimat“ meinen die drei Macher der gleichnamigen Gin-Marke nichts anderes als das württembergische Schwaigern nahe Heilbronn. Ganz besonders vor allem die dortigen Streuobstwiesen, von denen Äpfel und Birnen in den Heimat Gin gelangen. Insgesamt 18 Botanicals, darunter Thymian, Wiesensalbei und Spitzwegerich, finden den Weg in die Brennblase, die tatsächlich noch mit Holz befeuert wird.

Diesen urigen, wertigen Anspruch unterstreicht nicht nur die rustikale schwarze Steingutflasche, sondern auch das Aroma des Heimat Gin: Dichte, würzige Pinie gesellt sich zu harzigen, moosigen und leicht floralen Noten – dazu tatsächlich ein Hauch Birne, der aber dezent und hintergründig bleibt. Wer zu starke Fruchtaromen in Gins jüngeren Datums fürchtet, kann beherzt zum Heimat Gin greifen. Jene Kernobstnoten treten zwar geschmacklich etwas deutlicher zutage, sie bleiben allerdings harmonisch eingebunden zwischen balancierten und komplexen, klassischen Gin-Aromen – insgesamt sehr crisp, stringent und immer noch klar an die London Dry-Stilistik gemahnend. Pur kurioserweise gleichzeitig füllig-cremig und dennoch leicht. Eine interessante Gin-Bereicherung zum mittlerweile gängigen Preis, der absolut in Ordnung geht, wenn man die komplette Fertigung von Hand bedenkt.

0,7 Liter

43% Vol.

€ 33,- im eigenen Webshop

heimat-gin.de

Der Beitrag Die MIXOLOGY-Verkostungsrunde Juni 2018 erschien zuerst auf Mixology.

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Mixology.eu by Redaktion - 3w ago

Schon wieder Sonntag, schon wieder Inventur. Diesmal mit der neuen Competition von Italicus Rosolio, der Suche nach dem Mezcal-Signature und dem perfekten Shake. Wir wünschen einen erholsamen Tag!

Es ist Fußball-WM und viele Favoriten straucheln, nicht zuletzt die deutsche Nationalmannschaft hat die Qualifikation fürs Achtelfinale noch immer nicht in trockenen Tüchern. Erfolg bleibt eben niemals komplett planbar. Fast genauso unplanbar wie im Sport ist er in der Gastronomie, wie es Ralf Klümper in seinem Gründer-ABC beim Nomyblog immer wieder anspricht. Diesmal etwa unter D – wie Durststrecke. Darin thematisiert der ehemalige Gastronom und heutige Berater die oft schwierigen ersten Monate nach der Eröffnung des vielbesungenen ersten „eigenen Ladens“. Denn falls die nicht so laufen wie erwartet oder erwünscht, schleichen sich schnell Panik, Frustration und Antriebslosigkeit ein. Zwar gibt es niemals eine Garantie, dass man nicht scheitert, Klümper gibt jedoch eine ganze Reihe von Tipps, mit denen man sich aktiv zur Wehr setzen kann. Wer also den Sonntag mit dem Träumen von der eigenen Bar verbringt, möchte dort vielleicht mal reinschauen. Wir widmen uns ansonsten in gewohnter Manier den interessantesten Themen und Texten der zurückliegenden Woche. Prost!

Mezcal: Auf der Suche nach dem Kategorie-Cocktail

Rum hat Daiquiri, Mojito oder den modernen Klassiker Old Cuban; Bourbon hat seinen Whiskey Sour; Cognac hat den Side Car; Rye hat den Manhattan – und beim Gin sind es so viele, dass wir mit der Aufzählung gar nicht erst anfangen. Jede der traditionellen Barspirituosen hat mindestens einen (oder eben oft mehrere) großen Kategorie- bzw. Signature-Cocktail, der so etwas wie eine Standard beim Mixen mit ihm ist. Was der Coq-au-vin und der Hahn für die französische Küche sind, ist dem Bartender beim Thema Gin der Dry Martini.

Dieses bequeme Glück, seinen eigenen Referenzdrink zu haben, fehlt dem Bartender-Shootingstar der letzten Jahre noch. Ja, die Rede ist vom Mezcal. Der ist zwar mittlerweile zumindest in den Augen vieler Bartender und Barflys interessanter als sein großer Bruder, der Tequila. Doch einen echten Signature-Cocktail hat der charaktervolle Agavenbrand bis heute nicht. Anlass genug für SevenFiftyDaily, sich mit offenen Augen und durstiger Kehle der Frage zu widmen: Gibt es ihn vielleicht doch schon irgendwo und irgendwie, den Mezcal-Signature? Hat er sich nur noch nicht genug verbreitet? Begleiten Sie doch einfach Kara Newmann auf ihrer Suche.

 Alle Jahre wieder: Das Sprechen über den Shaking-Style

Ein wenig scheint es ja immer wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau: Die Diskussion um den korrekten Shaking-Stil. Horizontal? Oder doch vertikal? Diagonal mit doppelt verzwirbelter Achse? Ist man mit dem doppelten, beidhändigen „Oktopus“ wirklich schneller, als wenn man die zwei Drinks nacheinander schüttelt? Und versucht eigentlich noch jemand, den sagenumwobenen „Japanese Hard Shake“ zu erlernen, der vor ein paar Jahren mal die Zielmarke war?

Viel ist zum Shaking-Style gesagt und geschrieben worden. Was die Optik angeht, wissen wir heute, dass es sich oft – wie überall sonst auch – um Moden handelt, die kommen und gehen. Dennoch bleiben zwei Fragen, die wirklich von Belang sind: Schlagen sich unterschiedliche Schütteltechniken ernsthaft im Endresultat, also dem Drink, nieder? Und, was endlich im neuen Beitrag von PunchDrink stärker beachtet wird: Welcher Stil ist aus ergonomischer Sicht der beste, sprich derjenige, der die Gelenke und Muskeln nicht zu sehr strapaziert? Der Beitrag der Kollegen versammelt verschiedene Ansichten zu den beiden Fragestellungen und lässt drei einflussreiche New Yorker Bartender ihren ganz persönlichen Shaking-Style nicht nur erklären, sondern auch begründen und sogar hinterfragen. Ausprobieren?

Italicus Rosolio mit eigener Cocktail-Competition

Der von Ex-Martini-Markenbotschafter Giuseppe Gallo ins Leben gerufene Bergamotte-Likör Italicus kann seit seinem Launch vor rund eineinhalb Jahren auf eine echte Erfolgsgeschichte zurückblicken. In vielen guten Bars steht die säulenhafte, grünblaue Flasche bereits, mit zwei Preisen bei den Spirited Awards und den MIXOLOGY BAR AWARDS wurden dem Produkt überdies höchste Weihen verliehen.

Der nächste Schritt scheint da nur folgerichtig: Italicus veranstaltet ab diesem Sommer bereits seine erste eigene Cocktail-Competition. Wie der deutsche Vertrieb Perola mitteilte, findet der deutsche Vorentscheid der „Art of Italicus Aperitivo Challenge“ am 30. Juli 2018 statt. Dazu bewerben können sich Bartender aus Deutschland noch bis zum 15. Juli unter italicuschallenge@perola.eu, die besten acht Einsendungen werden zum Finale eingeladen. Der Sieger darf dann im November in die wahrscheinlich weltweite Aperitifhauptstadt Mailand zum internationalen Finale reisen. Der Preis dort: Eine Reise nach London und ein exklusiver Workshop mit Savoy-Bar-Manager Declan McGurk und dessen früherem American-Bar-Headbartender Erik Lorincz, der aktuell in London sein erstes eigenes Barprojekt an den Start bringt. Alle Details gibt es auf der Website.

Kiss me, I’m irish!

Auf den Tresen hiesiger Bars ist Irish Whiskey nicht gerade der präsenteste Stammgast. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Brände von der grünen Insel, die gemeinhin als die mildeste und zugänglichste Whisk(e)y-Spielart gelten, aus globaler Sicht eine große Fangemeinde haben. Doch nicht nur groß, sie wächst offenbar auch ordentlich.

Wie die Irish Whiskey Association (IWA) offiziell bekanntgibt, hat der Verkauf von irischem Whiskey im Jahren 2017 mit 9,7 Millionen Neun-Liter-Cases eine neuen Spitzenwert erreicht und damit mal eben jenen Wert von 2016 um mehr als 10% übertroffen. Besonders stark entwickelt sich die Kategorie übrigens im angeblich stets nur vodkatrinkenden Russland, der andere zentrale Markt bleiben die USA, in denen Irish seit Ewigkeiten schon als beliebter Sipping-Whiskey verbreitet ist. Seitens der IWA zeigt man sich daher optimistisch, dass das selbstbewusst gesetzte Ziel von 12 Millionen Cases im Jahr 2020 nicht nur erreicht, sondern wohl gar übertroffen werden kann. Wir lernen: Islay und Kentucky mögen als cool gelten – aber die Iren wissen auch, wie das Business läuft.

Der Beitrag Inventur am 24. Juni 2018 erschien zuerst auf Mixology.

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